Studienzentrum Erlangen

Team

Prof. Dr. Yesim Erim

Chefärztin Psychosomatische Abteilung Klinikum fränkische Schweiz Forchheim - Standort Ebermannstadt

Leiterin des Studienzentrums Erlangen


Universitätsklinikum Erlangen

Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg

Schwabachanlage 6

91054 Erlangen

 

Sinja Hondong (M. Sc.)

Psychologin (M. Sc.)
wissenschaftliche Mitarbeiterin Standort Erlangen

 

Universitätsklinikum Erlangen

Hartmannstraße 14

91052 Erlangen

 

 

Fon: +49 9131/8544652 (Di-Fr)

E-Mail: sinja.hondong(at)uk-erlangen.de

Projektschwerpunkt kultursensible Psychotherapie

In Deutschland hat heute 26% der Bevölkerung nach der Definition des statistischen Bundesamtes einen Migrationshintergrund. FRIAA möchte diesem Umstand gerecht werden und dafür Sorge tragen, dass diese Personengruppe ausreichend in dem Studiensample repräsentiert ist und eine optimale psychotherapeutische Behandlung erhält. Die Psychosomatische Abteilung der Universitätsklinik Erlangen forscht und arbeitet unter der Leitung von Prof. Dr. Yesim Erim seit mehreren Jahren an den spezifischen Belastungsfaktoren zugewanderter Personen und der Entwicklung kultursensibler Messinstrumente und Psychotherapiestrategien.

In der Psychotherapie mit Migranten und Geflüchteten wird ein kultursensibles Vorgehen empfohlen. Das Ziel kultursensibler Interventionen ist eine Optimierung des Therapieerfolgs. Obwohl es für die Kultursensibilität sehr unterschiedliche Definitionen gibt, liegt eine weitgehende Übereinkunft darüber vor, dass Informationen zur spezifischen Lebenssituation von Migrant* innen und Geflüchteten, Informationen über wichtige Wertvorstellungen der jeweiligen Zugehörigkeitsgruppe und Maßnahmen zur Steigerung der Therapiemotivation wichtig sind. Darüber hinaus wird den Therapeuten empfohlen, eigene Einstellungen gegenüber Patienten, die durch eine andere Kultur wesentlich geprägt sind, zu untersuchen, d.h. eine über die übliche Selbsterfahrung hinausgehende Reflektion der therapeutischen Beziehung vorzunehmen. Dieses beinhaltet nach einigen Autoren und besonders im Kontakt mit Geflüchteten die Bereitschaft, ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen, z.B. für Dolmetscher oder für das Verständnis von juristischen Zusammenhängen.

Im Vergleich zu Einheimischen können Beschäftigte mit Migrationshintergrund in der Arbeitswelt zusätzliche Formen der Belastung erleben. Sie sind häufiger von Arbeitslosigkeit und von ungünstigen Arbeitsbedingungen betroffen und nehmen mehr Diskriminierung am Arbeitsplatz wahr als einheimische Beschäftigte. Zudem sind sie von postmigratorische Belastungen wie z.B. Verlust von Bezugspersonen, Einsamkeit, fehlender sozialer Unterstützung oder die Notwendigkeit finanzieller Unterstützung von Familienmitgliedern in der Heimat, von aufenthaltsrechtlicher Unsicherheit und allgemeiner Diskriminierung betroffen. Der wissenschaftliche Schwerpunkt des Zentrums Erlangen liegt auf der Erstellung eines Kurzmanuals für ein kultursensibles Vorgehen. Neben allgemeinen Aspekten der kultursensiblen Therapie werden Arbeitsplatz bezogene und postmigratorische Belastungsphänomene in einer Literaturrecherche (scoping review) zusammengefasst und bilden die Grundlage für die Schulungen. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Erfassung der Migrationsgeschichte als Teil der biographischen Anamnese und der Beurteilung der Lebenssituation beruhend auf den aufgezählten postmigratorischen Phänomenen. Im friaa Projekt werden die StudientherapeutInnen in kultursensibler Psychotherapie geschult und anschließend bei kultursensitiven Fragestellungen supervidiert.