Prof. Dr. rer. soc. Reinhold Kilian

Leiter der Sektion Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung Senior Researcher
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm
am Bezirkskrankenhaus Günzburg
Lindenallee 2
89312 Günzburg

Fon: + 49 8221 96-29201

E-Mail: reinhold.kilian(at)bkh-guenzburg.de

Grundlagen der gesundheitsökonomischen Evaluation

Die psychischen Auswirkungen von beruflichen Belastungen beeinträchtigen einerseits die Lebensqualität der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, andererseits haben sie aber auch erhebliche ökonomische Auswirkungen, sowohl für die einzelnen Unternehmen als auch für die Volkswirtschaft insgesamt. Auf der betrieblichen Ebene ergeben sich sowohl durch krankheitsbedingte Abwesenheit als auch durch die Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern, die trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung zur Arbeit gehen Produktivitätsverluste, die auch als indirekte Krankheitskosten bezeichnet werden. Auf der Ebene der Volkswirtschaft addieren sich zu diesen Produktivitätsverlusten noch die Ausgaben für die medizinische und psychosoziale Versorgung der betroffenen Mitarbeiter, die als direkte Krankheitskosten bezeichnet werden.

Ziele der gesundheitsökonomischen Evaluation

Das Ziel der gesundheitsökonomischen Evaluation besteht darin zu untersuchen, in welcher Weise sich durch die Einführung der FRIAA Maßnahmen für die betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen das Verhältnis von Krankheitskosten und der krankheitsbedingten Beeinträchtigung der Lebensqualität verändert. Die Ergebnisse der gesundheitsökonomischen Evaluation sollen eine Grundlage für Entscheidungen darüber liefern, ob auf der Ebene der Unternehmen oder auf der Ebene der allgemeinen Gesundheitsversorgung Ressourcen zur Finanzierung von FRIAA Maßnahmen verwendet werden sollen.

Perspektiven der gesundheitsökonomischen Evaluation

Um Aussagen zu den ökonomischen Auswirkungen sowohl für die Unternehmen als auch für das Gesundheitssystem bzw. die Volkswirtschaft insgesamt machen zu können, wird die gesundheitsökonomische Evaluation aus verschiedenen Perspektiven durchgeführt. Von der Wahl der jeweiligen Perspektive hängt es ab, welche Kostenbestandteile im Rahmen der Analyse berücksichtigt werden. Während aus einer volkswirtschaftlichen Perspektive alle genannten Kostenbestandteile relevant sind, werden bei einer Evaluation aus der Perspektive der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nur die Kosten für die im Sozialgesetzbuch V (SGB-V) definierten Gesundheitsleistungen in Betracht gezogen. Bei einer Evaluation aus der betrieblichen oder Arbeitgeberperspektive werden wiederum nur die für den Betrieb relevanten Produktivitätsverluste und gegebenenfalls die Ausgaben für betriebliche Gesundheitsleistungen berücksichtigt.